Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Von links: Annelies Egli, Brigitte Holenstein, Marion Loher, Erika Müller, Monika Walpen, Brigitte Eigenmann und Tanja Mosberger.
Von Oktober bis Dezember 2026 nutzt der Verein Frauenspur Gossau das stillgelegte Hallenbad Rosenau für eine Pop-up-Ausstellung über Ostschweizer Frauengeschichten – und sucht noch Unterstützung.
Pop-Up-Ausstellung Ein leeres Schwimmbecken, verlassene Umkleidekabinen, verwaiste Fönstationen: Ab Herbst 2026 erhält das Hallenbad Rosenau in Gossau eine neue Bestimmung. Wo heute noch geschwommen wird, entsteht von Oktober bis Dezember ein aussergewöhnlicher Kulturort. Der Verein Frauenspur Gossau realisiert dort die überregionale Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» – ein Projekt, das weibliche Lebensrealitäten und Ostschweizer Frauenbiografien ins Zentrum rückt. Die charakteristische Architektur des Bades dient dabei als stimmungsvoller Rahmen. «Dieser Ort bietet die einmalige Chance, Frauengeschichte nicht nur zu zeigen, sondern auch zu erleben», sagt Brigitte Hollenstein, Präsidentin des Vereins Frauenspur.
Die Ausstellung richtet den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich: Sie zeigt, wie Frauen die Gesellschaft mitgeprägt haben und weiterhin prägen, was bisher erreicht wurde – und wo noch Handlungsbedarf besteht. Verschiedene Installationen, partizipative Formate und Veranstaltungen laden zur Begegnung und zum Austausch ein, regen zur Reflexion über gesellschaftlichen Wandel an und eröffnen neue Blickwinkel. Der Verein versteht die Ausstellung ausdrücklich als Ort der Begegnung für die gesamte Region. «Frauengeschichte ist Gesellschaftsgeschichte», betont Hollenstein. «Uns ist wichtig, diese Geschichten zugänglich zu machen und damit den Dialog zwischen Generationen und Geschlechtern zu fördern.» Für den Verein Frauen spur ist das Projekt bereits die vierte Initiative und baut auf langjähriger Arbeit auf. Das Gossauer Frauenarchiv sowie die seit 2021 stetig wachsende Plattform frauenspur-gossau.ch bilden dabei das Herzstück der Vereinstätigkeit. Das Archiv umfasst mittlerweile über 80 Lebensberichte, rund 700 Nachrufe und mehr als 200 digitalisierte Zeitungsartikel. Auch die beiden Publikationen «Frauenspuren» (2021) und «Frauenwege» (2023) stiessen auf breites Interesse. Aus diesem Umfeld sei schliesslich der Wunsch entstanden, die dokumentierten Geschichten nicht nur lesbar, sondern auch erlebbar zu machen, erklärt Hollenstein. Das stillgelegte Hallenbad – ab Sommer 2026 ausser Betrieb – biete nun genau diese Gelegenheit. Möglich wird die dreimonatige Zwischennutzung dank der Unterstützung der Stadt Gossau, die dem Verein das Gebäude kostenlos zur Verfügung stellt. «Wir haben uns riesig gefreut, als wir grünes Licht von der Stadt bekommen haben.»
Um das Ausstellungsvorhaben umzusetzen, hat der Verein sein Projektteam von vier auf acht Mitglieder verdoppelt und drei namhafte Partnerorganisationen gewonnen. Das «Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz» steuert historische Materialien und fachliche Beratung bei. Der Verein «Helvetia spricht» bringt mit seinem Podcast Projekt «berta&gamma» aktuelle Stimmen von Ostschweizerinnen in die Ausstellung. Und die Maitlisek Gossau entwickelt ein Schulprojekt, in dem sich Schülerinnen mit Fragen rund um Identität, Herkunft und Zukunft auseinandersetzen. Das inhaltliche Konzept steht, die Detailarbeit läuft. «Aktuell läuft die inhaltliche Ausarbeitung», sagt Hollenstein. «Gleichzeitig sind wir daran, die finanziellen Mittel für die Ausstellung zu beschaffen.» Der Verein ist dabei auch auf Spenden angewiesen. «Jede Unterstützung zählt, damit Frauengeschichte den Raum bekommt, den sie verdient.»
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