Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Fabian Diem.
Fabian Diem, Geschäftsleiter der St.Galler Stiftung Zeitvorsorge, erachtet es nach einer Phase des starken Wachstums zusammen mit dem Stiftungsrat als notwendig, die Weiterentwicklung zu forcieren. Es geht bei der Überwindung der Stagnation um eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades, eine Straffung der Betriebsabläufe zur Kostensenkung, einen Fundraising-Aufbau und die regionale Ausweitung.
St.Galler Modell Die vor elf Jahren geschaffene Stiftung wurde mit dem Ziel gegründet, dass die vierte Generation möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause verbringen kann. Die Zeitvorsorgenden schenken betagten Menschen Gesellschaft und Zeit. Die Hilfeleistungen werden mit Zeitgutschriften auf einem persönlichen Konto vergütet. Wenn die Zeitvorsorgenden später selbst Hilfe benötigen, können sie die angesparten Stunden wieder einlösen. Das Konzept baut auf der Zusammenarbeit mit den vor Ort bestehenden Organisationen auf, die im Altersbereich tätig sind. Rund die Hälfte der Anmeldungen erfolgt über diese Stellen, die andere Hälfte direkt bei der Zeitvorsorge. Das Spezielle am St.Galler Modell ist, dass die angesparten Stunden durch die Politische Gemeinde langfristig garantiert werden. Sie finanziert die Unterstützung, wenn keine Freiwilligen mehr zur Verfügung stehen. Aktuell ergibt sich eine Summe von 2,3 Millionen Franken, die im Garantiefall abgedeckt werden müsste.
Gegenwärtig besteht noch eine gute Balance: Es sind genügend Freiwillige vorhanden, die hilfebedürftige Menschen unterstützen und ihnen zu mehr Lebensqualität verhelfen. Seit der Gründung der Zeitvorsorge im Jahr 2014 wurden über 100'000 Stunden zum Wohlbefinden betagter Menschen geleistet. Damit diese Balance erhalten bleibt und die Finanzierung langfristig gesichert werden kann, sind nach Diem jedoch verschiedene Massnahmen notwendig, die er nun anpacken will.
Zunächst gilt es, den Bekanntheitsgrad in der gesamten Bevölkerung zu erhöhen, um auch künftig genügend Zeitvorsorgende rekrutieren zu können. Dabei soll verstärkt kommuniziert werden, welche Leistungen konkret durch die Freiwilligen erbracht werden. Innerhalb der Betreuung von Einzelpersonen liegt der Schwerpunkt laut Diem bei «Freizeit und Geselligem», gefolgt von Unterstützung beim Kochen, im Haushalt und bei administrativen Aufgaben. Scharf abgegrenzt ist der Bereich der Pflege, der von entsprechend ausgebildeten Fachpersonen zu leisten ist und daher nicht zum Angebot der Zeitvorsorge gehört. Bei Bedarf ist hier die Spitex zuständig. Ebenfalls nicht im Sinne der Zeitvorsorge sind Taxi-Dienste oder eine umfassende Gartenpflege. Diese Aufgaben müssen durch Dritte übernommen werden. Den Freiwilligen steht es jedoch frei, betreuten Personen gelegentlich mit dem Auto bei einer Besorgung oder einer kurzen Fahrt zu helfen – dies sollte jedoch nicht zur Regel werden. Zudem wird nach Möglichkeiten gesucht, die Hemmschwelle vieler älterer Menschen abzubauen, notwendige Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Eine weitere Massnahme ist die Schaffung der Möglichkeit, auch in der Agglomeration tätig zu sein, da immer wieder entsprechende Anfragen eingehen. In der Region hat bislang einzig die Stadt Gossau das Modell als Lizenznehmerin übernommen und einen bestens funktionierenden Betrieb aufgebaut. Im Kanton St.Gallen setzt zudem auch Rapperswil-Jona auf dieses Modell. Nach Diem sollen nun auch weitere St.Galler Agglomerationsgemeinden ermuntert werden, das Modell zu übernehmen. Dabei sei bei der Garantieleistungspflicht der Gemeinden – die sich oft als hohe Hürde erweise, da dafür finanzielle Reserven nötig seien – in Zeiten des Spardrucks eine gewisse Flexibilität anzustreben. Bemerkenswert ist, dass derzeit weniger Gemeinden aus der Agglomeration als vielmehr weit entfernte Länder Interesse am St.Galler Modell zeigen. So reiste etwa eine Delegation aus Malaysia für eine Woche nach St.Gallen, um das Modell kennenzulernen. Auch Südkorea und Ägypten haben Interesse bekundet und befassen sich intensiv mit den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung. Für Diem zeigt sich damit, dass das St.Galler Modell weltweit auf grosses Interesse stösst.
Franz Welte
Lade Fotos..