Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Stadt St.Gallen schliesst das Finanzjahr 2025 mit einem Gesamtergebnis von 2 Millionen Franken im Plus ab. Der unerwartete Steuerrekord und sinkende Ausgaben federten ein negatives Betriebsergebnis ab – doch strukturelle Probleme bleiben ungelöst.
Jahresrechnung Nach einem negativen Rechnungsabschluss im Jahr 2024 präsentiert die Stadt St.Gallen für das Jahr 2025 ein erfreulicheres Bild. Bei einem betrieblichen Ertrag von 617 Millionen Franken und einem betrieblichen Aufwand von 636 Millionen Franken resultiert zwar ein negatives Betriebsergebnis von 19 Millionen Franken. Dank eines positiven Finanzergebnisses von 32 Millionen Franken weist das operative Ergebnis jedoch einen Überschuss von 13 Millionen Franken aus. Nach Einlagen in Reserven von netto 11 Millionen Franken beträgt das Gesamtergebnis 2 Millionen Franken.
Massgeblich zu diesem Resultat beigetragen hat eine unerwartet starke Erholung des Fiskaler trags. Nach dem Einbruch von 15 Millionen Franken im Jahr 2024 legte dieser um 31 Millionen Franken beziehungsweise 9 Prozent zu und erreichte mit 390 Millionen Franken einen neuen Höchststand. Besonders die Steuern der juristischen Personen, die Grundstückgewinnsteuern und die Handänderungssteuern erholten sich stark – begünstigt durch sinkende Zinsen, die den Immobilienmarkt spürbar belebten. Gleichzeitig lag der betriebliche Aufwand mit 636 Millionen Franken um 11 Millionen Franken tiefer als im Vorjahr, was teilweise auf Sondereffekte, aber auch auf erste Erfolge der städtischen Sparbemühungen zurückzuführen ist.
Bei den Investitionen fiel das Jahr 2025 deutlich ruhiger aus als geplant: Die Bruttoinvestitionen lagen mit 63 Millionen Franken erheblich unter dem budgetierten Wert von 112 Millionen Franken. Hauptgrund dafür sind Verschiebungen von Projekten im Hoch- und Tiefbau sowie ein weit tieferes Darlehen an die St.Galler Stadtwerke. Die Nettoinvestitionen von 49 Millionen Franken entsprechen dem langjährigen Durchschnitt. Dank dem guten Ergebnis in der Erfolgsrechnung erreichte der Selbstfinanzierungsgrad 129 Prozent – deutlich über dem städtischen Ziel von 90 Prozent.
Eine ernsthafte Herausforderung bleibt die Verschuldung. Die Nettoschulden betragen 380 Millionen Franken, was Nettoschulden von 4'844 Franken pro Einwohnerin und Einwohner entspricht. Im Vergleich mit anderen Gemeinden im Kanton und mit anderen Schweizer Städten schneidet St.Gallen damit schlecht ab. Der Stadtrat führt deshalb das im Frühling 2025 lancierte Entlastungsprogramm «Alliance» weiter, das per 2029 ein dauerhaft ausgeglichenes operatives Ergebnis anstrebt. Das Programm wird Ende April der Öffentlichkeit präsentiert. Trotz des erfreulichen Abschlusses sei der eingeschlagene Sparkurs weiterhin nötig, hält der Stadtrat fest – ein strukturelles Defizit von rund 20 Millionen Franken belaste die Finanzplanung nach wie vor.
Die Publikation der Jahresrechnung hat drei Parteien zu Stellungnahmen veranlasst – mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Die SP nimmt das bessere Ergebnis zwar erfreut zur Kenntnis, mahnt aber zur Zurückhaltung. Das weiterhin negative Betriebsergebnis zeige, dass das strukturelle Defizit bestehe. Besonders die hohen ungedeckten Zentrums- und Zusatzlasten seien ein zentrales Problem, weshalb die SP eine Intensivierung der Bemühungen um einen fairen Finanzausgleich mit dem Kanton fordere. Co-Fraktionspräsidentin Angelica Schmid stellt klar: «Steuersenkungen stehen deshalb vorerst weiterhin nicht zur Debatte und wären mit Blick auf das Alliance-Sparpaket verantwortungslos. Stattdessen braucht es eine verantwortungsvolle und sozialverträgliche Finanzpolitik, die nachhaltig wirkt und die Handlungsfähigkeit der Stadt auch in Zukunft sicherstellt», teilt die Partei in einer Medienmitteilung mit. Auch die tiefen Investitionen bereiten der SP Sorgen: «Die Stadt muss in ihre Zukunft investieren und notwendige städtische Entwicklungen voranbringen. Eine Verschleppung der notwendigen Investitionen ist keine nachhaltige Lösung», so Schmid. Beim bevorstehenden Sparpaket Alliance poche die SP darauf, dass nicht auf Kosten des Personals, sozial Schwächerer oder in den Bereichen Bildung, Ökologie und Kultur gespart werde.
Ähnlich tönt es bei den Grünen, die das Resultat als Bestätigung der städtischen Attraktivität werten. Der gestiegene Fiskalertrag sei kein Zufall, sondern Folge kontinuierlicher Investitionen in Tagesbetreuung, Schulhäuser, Energiewende und nachhaltige Mobilität. Vorschnelle Schlüsse aus dem operativen Plus seien jedoch gefährlich, da das positive Gesamtergebnis auf volatilen Finanzerträgen und Grundstückgewinnsteuern fusse. Steuersenkungen lehnen auch die Grünen ab – diese würden ohnehin einseitig hohe Einkommen entlasten. Sorgen bereiten der Partei die erneut unter Budget liegenden Investitionen: «Solche Verzögerungen schwächen die Standortqualität und verursachen langfristig Mehrkosten», teilt die Partei in einer Medienmitteilung mit. Das Sparpaket «Alliance» beurteilen die Grünen kritisch und fordern stattdessen eine fairere Verteilung der Zentrumslasten auf die umliegenden Gemeinden, die von der städtischen Infrastruktur profitierten, ohne entsprechend beizutragen.
Die FDP zieht aus dem gleichen Zahlenwerk andere Schlüsse. Für sie ist das positive Gesamtergebnis in erster Linie auf höhere Einnahmen zurückzuführen – die strukturellen Probleme auf der Ausgabenseite blieben ungelöst. Die Nettoschuld von 4'843 Franken pro Einwohnerin und Einwohner sowie der Steuerfuss von 138 Prozentpunkten, der weit über dem kantonalen Durchschnitt liege, seien klare Warnsignale. Weitere Steuererhöhungen lehnt die FDP kategorisch ab: «Sie würden den Mittelstand, Familien und KMU zusätzlich belasten. Die Antwort auf die finanzielle Schieflage kann nicht darin bestehen, Bevölkerung und Unternehmen noch stärker zur Kasse zu bitten», teilt die Partei in einer Medienmitteilung mit. Das Entlastungspaket «Alliance» sei deshalb der richtige Weg und müsse den städtischen Haushalt nachhaltig entlasten. Gleichzeitig warnt die FDP vor einem Investitionsstau: Notwendige Reformen weiter zu blockieren riskiere höhere Schulden und weniger Handlungsspielraum bei zentralen Stadtaufgaben.
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