Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Noch ist der Bahnhof Herisau eine Grossbaustelle. Doch das Generationenprojekt nimmt Gestalt an. Zur Halbzeit der Bauarbeiten zieht Gemeindepräsident Max Eugster Bilanz – über Fortschritte, Herausforderungen und das, was bleibt.
Herisau Der Bahnhof Herisau verändert sein Gesicht. Mit der Einweihung des Zentralplatzes ist ein weiterer Meilenstein erreicht. Gemeindepräsident Max Eugster spricht über ein Generationenprojekt, das ihn seit Jahren begleitet und seine Amtszeit überdauern wird.
Max Eugster, am 27. Oktober wurden der Zentralplatz mit Dach und die neue Unterführung eingeweiht. Was bedeutet das für die Gemeinde und die Bevölkerung?
Ein wichtiger Meilenstein. Mit Unterführung, Zentralplatz und Dach wird sichtbar, wie auch der neue Bushof aussehen wird. Gleichzeitig erreichen die Bauarbeiten der Gemeinde etwa die Halbzeit. Ist dieser Abschnitt fertig, dürfte sich auch die Verkehrssituation am Bahnhof etwas beruhigen.
Sie begleiten das Projekt seit vielen Jahren. Was ist aus Ihrer Sicht besonders gut gelungen, und worauf sind Sie persönlich stolz?
Auf die Zusammenarbeit der sechs Projektpartner. Wir diskutieren offen, vertreten unterschiedliche Positionen und finden immer Lösungen im Interesse des Gesamtprojekts. Viel bedeuten mir auch die beiden Volksabstimmungen mit jeweils fast 80 Prozent Zustimmung. Das ist ein grosser Vertrauensbeweis – und eine Verantwortung. Erfreulich sind zudem die Rückmeldungen zum Kreisel und zur Unterführung der Gossauerstrasse. Insgesamt: Wir bauen hier etwas, das vielleicht wieder hundert Jahre Bestand haben soll.
Wo sind beim Grossprojekt Schwierigkeiten aufgetreten?
Beim Alten Trassee Ebnet brauchte es zusätzliche Sicherungsmassnahmen. Beim Zentraldach mussten wir die Konstruktion zwischen Holzbau und Baumeisterarbeiten anpassen. Diese Erfahrungen helfen uns beim grossen Dach. Hinzu kommt die lange Planungszeit: Ursprünglich rechnete man mit weniger Gleisanlagen, heute zeichnet sich das Gegenteil ab.
Auch die Voraussetzungen für die Arealentwicklung haben sich verändert. Wichtig ist, gemeinsam Lösungen zu finden.
Der neue Bahnhofsplatz soll nicht nur Verkehrsknotenpunkt, sondern auch eine Visitenkarte für Herisau und das Appenzellerland sein. Was ändert sich für die Bevölkerung konkret?
Vor allem mehr Sicherheit und Komfort. Der Verkehr wird beruhigt, der Busbahnhof erhält klar zugeordnete Abfahrtsorte. Die neue Unterführung erleichtert das Umsteigen zwischen Zügen und Bussen. Gleichzeitig rücken verschiedene Dorfteile näher zusammen: Dank der Passerelle und der Verbindung über das Alte Trassee Ebnet werden die Fusswege kürzer. Insgesamt entsteht ein freundliches Tor zum Appenzellerland, das auch künftigen Entwicklungen gerecht werden kann.
Noch dominieren Bauarbeiten das Bild. Wird genügend über das Projekt informiert?
Wir wollten realistische Visualisierungen statt schöner Bilder, die später nicht stimmen. Was jetzt entsteht, entspricht ihnen erfreulich gut. Die Bevölkerung hat einen Bruttokredit von 40,8 Millionen Franken bewilligt. Deshalb ist Transparenz wichtig. Wir versenden regelmässig Medienmitteilungen und bieten in der Regel zweimal jährlich öffentliche Baustellenführungen an. Diese sind regelmässig gut besucht, was mich freut.
Liegt das Gemeindeprojekt «Bahnhofplatz mit Bushof» im Zeit- und Kostenplan?
Es sieht gut aus. Trotz zusätzlicher Aufwendungen für Sicherungsmassnahmen und konstruktive Anpassungen bleiben wir Stand jetzt in beiden Plänen. Das ist bemerkenswert, denn der Kostenvoranschlag ist rund zwölf Jahre alt.
Wie geht es nach der Einweihung weiter?
Zunächst wird der Zentralplatz fertiggestellt. Ab April 2027 sollen Teile der Liftanlagen und der Passerelle gebaut werden. Ebenfalls dann ist der Baustart für den eigentlichen Busbahnhof mit Dach vorgesehen.
Der Bahnbetrieb läuft während der Bauarbeiten weiter. Wie anspruchsvoll ist das?
Sehr. Die beteiligten Partner haben teils unterschiedliche Abläufe und ausführende Unternehmen. Die Schnittstellen müssen genau stimmen, und es braucht laufend Absprachen. Bislang funktioniert das sehr gut. Dazu kommen die verschiedenen Interessen der sechs Partner und die Vorgaben der Bundesstellen.
Ihre präsidiale Amtszeit endet im kommenden Frühling. Hätten Sie das Projekt gerne selbst abgeschlossen?
Natürlich wäre das schön gewesen. Aber letztlich geht es nicht um mich. Herisau und nicht nur seine Bevölkerung brauchen eine funktionierende Verkehrsdrehscheibe.
Andy Lehmann
(Anm. der Redaktion: Das Gespräch fand kurz vor der Einweihung des Zentralplatzes statt.)
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