Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Von links: Gwendolyn Furrer (25), Verantwortliche Webseite, Moritz Berlemann (26), Verantwortlicher Partnerschaften, Lorena Kummer (25), Verantwortliche Inhalt und Zusammenarbeit Stadt St. Gallen und Annika Linggi (25), Verantwortliche Kommunikation und Events. (nicht auf dem Bild: Loris Kramer (26))
Fünf Masterstudierende der Universität St.Gallen haben eine Plattform entwickelt, die Reisende dabei unterstützt, die Bahn als Alternative zu Flug und Auto zu entdecken. Das Projekt «Zügig id Ferie» vergleicht Emissionen, Kosten und Komfort – und macht Lust auf die nächste Zugreise.
Reisen Wer mit dem Flugzeug oder dem Auto reist, hinterlässt einen erheblichen ökologischen Fussabdruck. Gerade Flugreisen machen in St.Gallen durchschnittlich rund sieben Prozent der jährlichen Emissionen der Stadtbevölkerung aus. Hinzu kommen steigende Ölpreise, die das Reisen mit dem Auto zunehmend verteuern. Fünf Studierende des Masterzertifikatsprogramms «Managing Climate Solutions» der Universität St.Gallen haben das zum Anlass genommen, eine digitale Plattform zu entwickeln, die Zugreisen attraktiver und zugänglicher macht: «Zügig id Ferie».
Die Inspiration für das Projekt kam nicht aus dem Nichts. «Im Dialog mit der Stadt St.Gallen hat sich schnell herausgestellt, dass Flugreisen einen sehr grossen Teil ihrer Emissionen ausmachen», erklärt Linggi. «Aus diesem Grund wollten wir ein Tool entwickeln, um die Einwohnenden zu sensibilisieren und sie gleichzeitig bei ihrer Verkehrsmittelwahl zu unterstützen und direkt Lösungen aufzuzeigen.» Dabei waren dem Team zwei Dinge besonders wichtig: «Eine einfache Nutzung und eine transparente Methodik.» Das Ergebnis ist eine übersichtliche Website, auf der Nutzerinnen und Nutzer Reiseziele entdecken und verschiedene Verkehrsmittel direkt miteinander vergleichen können – nach Emissionen, Kosten und Reisezeit. Die Destinationskarten zeigen den Vergleich zwischen Zug, Auto und Flugzeug auf einen Blick. Als besonders nützlich hebt Linggi die Filterfunktion hervor: «Unserer Meinung nach machen vor allem die verschiedenen Filtermöglichkeiten den Unterschied aus. Sie ermöglichen es, neue Destinationen gezielt anhand der eigenen Bedürfnisse zu entdecken. Man kann also nicht nur nach einer bestimmten Destination suchen, sondern auch nach Interessen - beispielsweise Natur oder Kultur - und sich von passenden Reisezielen inspirieren lassen.» Zudem werde angezeigt, wo Nachtzugverbindungen verfügbar sind, und die Plattform verlinke direkt zum Ticketshop der SBB.
Wer diesen Sommer mit dem Zug verreisen möchte, hat ab dem 14. Juni besonders gute Karten: Bis zum 14. Oktober werden mehrere internationale Fernzüge über St.Gallen und St.Margrethen umgeleitet – darunter Verbindungen nach Innsbruck, Graz, Wien, Budapest, Ljubljana und Zagreb. Für das Projektteam ist das eine willkommene Ergänzung. Besonders attraktiv seien dabei die Nachtzüge, sagt Linggi: «Diese ermöglichen, direkt an einem neuen Ort aufzuwachen. Dieses Angebot besteht für Verbindungen nach Wien, Zagreb, Budapest oder Ljubljana. Für den Sommer finden wir besonders die Verbindung nach Zagreb verlockend.»
Doch nicht nur internationale Destinationen lohnen sich. Die Plattform bietet auch Empfehlungen für Reisen innerhalb der Schweiz. «Besonders Bergdestinationen oder die schönen Schweizer Seen sind attraktiv für ein paar erholsame oder abenteuerreiche Urlaubstage», sagt Linggi. Als konkrete Beispiele nennt sie den Seealpsee, das Unterengadin und Montreux. Für Städtereisen hingegen empfiehlt das Team Paris, Wien, Prag und Budapest – aber auch weniger naheliegende Destinationen am Meer wie Cinque Terre oder Biarritz. «Wenn man sowieso etwas länger Zeit hat, zahlt sich eine Zugreise sehr aus», so Linggi.
Ein häufiges Vorurteil gegenüber Bahnreisen ist der Preis. Tatsächlich wirkt das Zugticket auf den ersten Blick oft teurer als ein Billigflug. Die Plattform begegnet diesem Eindruck mit einem differenzierteren Ansatz: «Unsere Plattform rechnet mit Durchschnittspreisen mit unterschiedlichen Buchungsperioden. Zudem inkludieren wir auch die Anreise an den Flughafen sowie die Reise vom Flughafen in die Stadt», erklärt Linggi. Berücksichtige man all diese Faktoren – und dazu noch allfälliges Gepäck – sei der Unterschied oft kleiner als angenommen. Wer sparen möchte, sollte laut dem Team frühzeitig buchen, um von Sparangeboten zu profitieren. Auf der Website gibt es zudem eine eigene Unterseite mit Tipps und Tricks rund ums günstige Bahnreisen.
Die Arbeit am Projekt hat das Team in seiner Begeisterung für den Zug bestärkt. Linggi berichtet, dass alle Mitglieder bereits zuvor gerne mit der Bahn reisten – doch die Recherche habe selbst ihnen noch neue Destinationen eröffnet. «Zugreisen ins Ausland sind doch oft etwas komplexer als Auto oder Flug – mit den vielen Umsteigemöglichkeiten oder Ticketoptionen und -kategorien. Wenn man diese Komplexität reduzieren kann, werden ganz neue Destinationen einfacher erreichbar.» Die Zukunft des Projekts sieht vielversprechend aus: Die Website soll weitergeführt und laufend um neue Destinationen ergänzt werden. Ob dies vom Studiengang oder von der Stadt St.Gallen übernommen wird, ist laut Linggi noch offen. Wer das Team persönlich kennenlernen möchte, hat am 25. April die Gelegenheit dazu: Am «Climate Sprint» im Dohlengässlein (Klimatreppe) wird das Team mit einem Stand präsent sein.
Mehr Informationen unter:
www.zuegig-id-ferie.ch.
Selim Jung
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